40. Art Basel 2009: Brad Pitt kauft Neo Rauch
Auf der weltweit immer noch wichtigsten Kunstmesse, der Art Basel, beeindrucken die Zahlen manchmal mindestens genauso sehr wie die ausgestellten Werke. 60.000 Besucher waren im Vorjahr erschienen, 300 Galerien nehmen diesmal teil, 2500 Künstler sind zu sehen, doch schon am ersten Tag machte eine andere Zahl Schlagzeilen: 680.000 Euro nämlich erzielte der Verkauf des Gemäldes „Etappe“ des Leipziger Starmalers Neo Rauch. Für noch mehr Aufsehen sorgte aber der Name des Käufers: Brad Pitt.
Seit 1970 finden sich jährlich im Frühsommer ganze Horden von Sammlern, Ausstellern, Fachjournalisten und Kunstfreunden an der Grenze zwischen der Schweiz, Frankreich und Deutschland zusammen, um den Platzhirsch unter den Kunstmessen zu feiern. Die Art Basel war ursprünglich als Gegenprojekt zum neu ins Leben gerufenen Kunstmarkt Köln, der heutigen Art Cologne, ins Leben gerufen worden.
In Absetzung von den Praktiken der Veranstaltung am Rhein verzichtete man auf Teilnahmebeschränkungen und sah sich als Folge einigen Grabenkämpfen mit den Mitbewerbern aus der Domstadt ausgesetzt. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, Basel hat sein eigenes Auswahlkomitee eingerichtet und damit merklich Abstand genommen von der eigentlichen Gründungsidee. Von 1100 Galerien, die sich für 2009 beworben hatten, ist weniger als ein Drittel zugelassen worden.
Begehrte Namen wie Jeff Koons und Robert Wilson sind dieses Jahr persönlich anwesend, und auch in den Ausstellungen lassen sich praktisch alle entscheidenden Vertreter zeitgenössischer Kunst finden: Matthew Barney, David Hockney, Jasper Johns, Anselm Kiefer, Helmut Newton, Jackson Pollock, Julian Schnabel, sowie die gerade auf der Biennale Venedig mit dem Silbernen Löwen als beste Nachwuchskünstlerin ausgezeichnete Nathalie Djurberg - wer seinen persönlichen Favoriten sucht, wird ihn auf dieser „Olympiade der Kunstwelt“, wie die New York Times einmal titelte, ganz sicher finden.
Von noch breitenwirksamerer Bekanntheit aber war gleich am ersten Tag der prominenteste Kunstsammler vor Ort. US-Schauspieler Brad Pitt, der kurz zuvor in Cannes zusammen mit Quentin Tarantino seinen aktuellen Film „Inglourious Basterds“ vorgestellt hatte, kaufte mal eben für 680.000 Euro ein Bild des bekanntesten Vertreters der Neuen Leipziger Schule, Neo Rauch. Pitt und Partnerin Angelina Jolie gehören seit langem zu Hollywoods prominentesten Freunden aktueller Gegenwartskunst. Auf der Art Show Cannes 2008 etwa trugen sie mit ihrem Besuch erheblich zur verstärkten öffentlichen Wahrnehmung des neu gegründeten Ausstellungskonzeptes bei.
Dauergerüchten zur Folge soll Brad Pitt sich ein Haus in Berlin kaufen wollen. Er gehört zu den Hollywoodstars, die den hohen Wert von guter Architektur und Kunst mit dem dahinter stehenden intellektuellen Anspruch erkannt haben. Die sehr wenigen Häuser in Privatbesitz wie z.B. das berühmte Wachsmann-Haus in Jüterbog bei Berlin stehen für Sammler natürlich hoch im Kurs, da verkaufbar. Ob Brad Pitt danach bereits Ausschau hält, um seine Kunstsammlung durch Architekturikonen zu ergänzen und abzurunden darf mehr als spekuliert werden. Brad Pitt kauft nicht ein Haus, er sammelt diese für seine Rauchs und co. In Basel soll geflüstert worden sein.
Interessante Zusatzinfo. Fraglich ist jedoch, ob solche Käufe überhaupt namentlich publik werden. Transaktionen von Immobilien bleiben da meistens anonym. Seltener Ausnahmefall: Nicolas Cage, der sich ein Schloss in der Oberpfalz gönnte und nach drei Jahren wieder abstieß. Imagefördernd ist sowas eher nicht und führte in diesem Fall auch prompt zu Spekulationen, der Schauspieler sei in Geldnot.

