Pippi Langstrumpf und der Negerkönig: Rassismus bei Astrid Lindgren?

Autor: Thomas

Übereifer ist vor allem im Rahmen sogenannter Political Correctness nicht immer sinnvoll. Die Grenze des Absurden streift gerade eine Diskussion um eine Formulierung in Astrid Lindgrens beliebten Kindergeschichten. Dass Pippi Langstrumpf ihren Vater „Negerkönig“ nennt, stößt im Bonner Integrationsrat auf Widerstand.

Gerade erst sorgte eine Diskussion in den USA hierzulande für Kopfschütteln. Ein Literaturprofessor hatte beschlossen, in einer von ihm besorgten Ausgabe der „Abenteuer von Tom Sawyer“ den „Nigger Jim“ in den „Sklaven Jim“ zu verwandeln. Jetzt macht eine ähnliche Diskussion auch in Deutschland die Runde. Anstelle von Mark Twain geht es allerdings um Astrid Lindgren.

Kaisa Ilunge, Mitglied des Bonner Integrationsrates, hat ein Problem mit Pippi Langstrumpf. Die nämlich wird von ihrer Autorin gerne mal als „Negerprinzessin“ und ihr Vater als „Negerkönig“ bezeichnet. Für den deutschen Oetinger-Verlag ist das kein Thema, denn als Lindgren ihre Heldin erfand, „war in Skandinavien das Wort ‘Neger’ die übliche Bezeichnung für Menschen mit schwarzer Hautfarbe“. So das offizielle Statement.

2009 waren die Begriffe „Neger“ und „Zigeuner“ ohnehin aus allen Ausgaben des Verlags gestrichen worden. Aus dem „Negerkönig“ wurde der „Südseekönig“ – eine Entscheidung, die der Autorin kaum gefallen hätte, denn zu Lebzeiten war sie vehement gegen jegliche Änderungen ihrer Bücher. Wo also liegt jetzt immer noch das Problem, muss man sich fragen.

Ilunga hat sich offenbar in der Bonner Stadtbibliothek umgetan. Dort nämlich sind weiterhin 70 alte Versionen zu finden, die er jetzt ausgetauscht sehen will. Auch an mehreren Schulen würden die betreffenden Auflagen noch genutzt. Die Stadt will seinem Antrag nachkommen.

Einen Schritt weiter noch geht Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. „Kolonialrassismus und weiße Dominanz“ herrsche bei Astrid Lindgrens Heldin vor, sagte er jüngst gegenüber der dpa. Er empfiehlt allerdings keine Zensur, sondern rät dazu, derartige Fragwürdigkeiten mit den Kindern zu diskutieren.


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Mysty schreibt
am 17. Februar 2012 um 14:32 Uhr

Ich denke hier muss man differenzieren:

1) zwischen Darstellung der Inselbewohner im Film / und Darstellung in den Büchern – was doch 2 Paar Schuhe sind
2) Das Wort Neger, war zu Lindgrens Zeiten völlig gesellschaftsfähig, legt man ihr nun auf Grund dieses Wortes rassistische Tendenzen in die Wiege, interpretiert man etwas in den Stoff hinein aus unserem heutigen Begriffsverständnis heraus und nimmt dabei keine Rücksicht auf den zeitlichen Zusammenhang.
3) War es Lindgrens Pippi die das Scheitern Hitlers, das Recht auf Individualität und eine demokratische Gesellschaft, sowie das Recht auf eine gewaltlose Kindheit literarisch vorweg nahm. Es ist kein Zufall, dass 1944 ein Manuskript eingereicht wird, in der Pippi den “stärksten Mann der Welt” den starken Adolf – ja Adolf – bezwingt. Es ist kein Zufall, dass die Eingangsszene damit beginnt, dass ein individueller kleiner Rotschopf auf zwei Musterkinder der Gehormsamkeitspädagogik trifft. Jene Kinder reagieren verwundert auf Pippi – die nicht ordentlich einen Weg entlang geht und ihre Reaktion ist: Leben wir denn nicht in einem freien Land? Können wir nicht unseren Weg so gehen, wie wir wollen? – Eine demokratische Gesellschaft mit individuellen Menschen wird hier vorgestellt.
4) Ist es Pippi die “Neger-Prinzessin” auf der Insel ihres Vaters wird und was tut sie als sich die Eingebohrenen vor ihr stereotyp auf die Füße werfen, weil ihr Vater als König anerkannt wird? Sie wirft sich auch nieder und verhält sich keinesfalls wie die weiße Prinzessin einer angeblich höher wertigen Rasse. Sie spielt mit den Kindern der Insel ganz genauso wie mit Tommy und Annika.
5) Stereotype Darstellungen im Kinderbuch sind nicht gänzlich zu vermeiden, sie ermöglichen dem Kind erst ein Grundverständnis von den Dingen. Bevor die Dinge hinterfragt werden können, muss erstmal ein recht verständliches Grundgerüst da sein. Sonst funktioniert KJL nicht. Dies ist eine tropische Insel mit Ureinwohner und sie werden so dargestellt, wie ein Kind sie sich vorstellen und verarbeiten kann.

Sich die Frage zu stellen ob es rassistische Tendenzen gibt ja gern. Aber in meinen Augen lässt sich diese Annahme an Lindgrens Pippi nicht halten.

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