Für Industrial-Fans ist Trent Reznor eine echte Lichtgestalt. Lange Zeit war er vor allem als Gründer der Nine Inch Nails und deren einzige Konstante bekannt. Für „The Girl with the Dragon Tattoo“ hat er jetzt zusammen mit Atticus Ross nicht nur die Musik geschrieben, sondern diese auch auf einem 3er CD-Set mit rund dreistündiger Gesamtspielzeit veröffentlicht.
Schon früher hat Reznor den einen oder anderen Soundtrack produziert, doch eigenständig für einen Film zu komponieren, das hatte er vor „The Social Network“ noch nicht versucht. Der Anfrage von Erfolgsregisseur David Fincher zu folgen, erwies sich jedoch als gute Entscheidung, denn die Musik wurde direkt einmal mit einem Oscar ausgezeichnet. Grund genug für eine erneute Zusammenarbeit. [...mehr]
Vor ein paar Jahren gab es in Berlin eine Ausstellung mit Arbeiten von Terry Richardson zu sehen, die den bezeichnenden Titel „Too much“ trug. Zuviel des Guten ist so ziemlich jedes seiner Motive, und das macht gerade auch den Reiz dieses Fotografen aus, der auch gerne selber in provokanten Posen vor die Kamera tritt. Jetzt veröffentlicht er einen Bildband mit Aufnahmen von Lady Gaga.
Eine passendere Paarung lässt sich kaum denken. Lady Gaga, das extrovertierte, schrill-bunte, meist halbnackte und nie geschmackssichere Pop-Kunstwesen und Terry Richardson, der spätpubertäre Brillenträger mit Vorliebe für „Jackass“ und triviale Provokationsszenarien erstellen einen gemeinsamen Fotoband mit Gaga vor und Richardson hinter der Kamera. Das Resultat ist entsprechend. [...mehr]
Zur Feier ihres 20-jährigen Bestehens veranstaltet die Musikzeitschrift Intro zusammen mit Melt! Booking eine Reihe von Live-Events. Bis Februar finden sie bunt verstreut in ganz Deutschland statt, bevor es im März in Köln und Berlin zu prominent besetzten Abschlussveranstaltungen kommt.
Melle-Dratum kennen wohl nur echte Insider oder die Gründer der Musikzeitschrift Intro. In der kleinen Ortschaft bei Osnabrück liegen nämlich dessen Wurzeln. Das damals noch sehr überschaubare Fanprojekt ist zwei Jahrzehnte später mit Redaktionen in Köln und Berlin eine echte Institution. Die Geburtstagsfeier auf einen einzigen Abend zu beschränken, wäre da der Sache wenig angemessen. [...mehr]
Als der französische Chansonnier Serge Gainsbourg 1971 sein gerade mal 28-minütiges Konzeptalbum „Histoire de Melody Nelson“ veröffentlichte, interessierte das kaum jemanden. Erst mit den Jahren und der Einflussnahme auf die Musik von Jarvis Cocker, Beck oder Portishead erlangte das nicht unumstrittene Werk echten Klassikerstatus. Zum 40-jährigen Jubiläum erschien es jetzt in prächtiger Neuauflage.
Das heute legendäre Cover mit der halbnackten Jane Birkin reichte eigentlich bereits für einen Skandal aus, doch die Geschichte selber, die Serge Gainsbourg zusammen mit ihr mehr spricht als singt, setzte selbstverständlich noch eins drauf. Die romantisch-skandalöse Affäre des mittelalten reichen Mannes mit der wesentlich jüngeren Melody Nelson ist unverblümt von Nabokovs „Lolita“ beeinflusst und entsprach ganz dem Image, das Gainsbourg gerne vor sich her trug. [...mehr]
Keiner trägt auf der Bühnestilvoller Anzug als Bryan Ferry. Das britische Modehaus Marks & Spencer fand seinen Look 2006 so wirksam, dass man den damals bereits 60-jährigen Sänger zum Testimonial einer Werbekampagne machte. Eine Ausstellung in Berlin erlaubt derzeit noch bis zum 8. Januar einen Einblick in sein Schaffen.
Dass Bryan Ferry ursprünglich als Kunstlehrer tätig war und auch schon als Restaurator gearbeitet hat, ist nicht unbedingt das erste, was man mit dem Musiker verbinden würde. Wer sich jedoch seine teils kontrovers aufgenommenen Plattencover ins Gedächtnis ruft, wird den Hang zur Kunst sofort vor Augen haben. Ferry ist zudem begeisterter Sammler. Das HBC Berlin macht ihn aktuell selbst zum Gegenstand von insgesamt rund 100 Exponaten. [...mehr]
Ganze sechs Jahre sind seit ihrem letzten Album vergangen, doch für Kate Bush gelten derart lange Pause als wenig ungewöhnlich. 2011 veröffentlichte sie erstmals in ihrer Karriere zwei Longplayer hintereinander, doch lediglich „50 Words for Snow“ enthält wirklich grundlegend neues Material. Das hat es allerdings wie gewohnt in sich.
Gerade mal sieben Titel finden sich auf den neuen Album von Kate Bush, und das bedeutet bei einer Spielzeit von insgesamt rund 65 Minuten ungewöhnlich lange Songs. Doch Konventionen und Standards haben die britische Künstlerin ohnehin nie interessiert. Schon ihr Debütalbum „The Kick inside“ ließ Musikkritiker ratlos dastehen, denn Vergleichbares hatten sie bislang nicht gehört. [...mehr]
Wann sieht man schon mal jemanden gleichzeitig beim Klavier- und Posaunespielen zu? Noam Vazana bietet genau das und noch viel mehr. Die junge Künstlerin aus Israel veröffentlichte gerade ihr zweites Album „Daily Sketch“. Ihr rastloser Konzertkalender führte sie quer durch Europa und sogar nach Indien. In Deutschland war sie erst vor kurzem zu sehen.
Singer-Songwriter, Pianistin und Posaunistin müsste auf ihrer Visitenkarte stehen, und wer schon einmal eines ihrer Soloprogramme gesehen hat, weiß, wie wirkungsvoll sie alle vier Elemente miteinander verbindet. Dass Noam Vazana bereits mit 13 Jahren ihre eigenen Songs geschrieben hat, ist weniger einem musikalischen Haushalt als vielmehr ihrem besonderen Talent zuzuschreiben, das sie offenbar mit keinem ihrer Familienmitglieder teilt. [...mehr]
Selbst so mancher Johnny-Depp-Fan konnte dem vierten Teil der „Fluch der Karibik“-Reihe wenig Positives abgewinnen, doch an den Kinokassen funktionierte die Piratensage auch beim aktuellen Aufguss wieder perfekt. Wesentlich interessanter als die bemühte Fortsetzung der Geschichten um Captain Jack Sparrow dürften die Live-Aufführungen des Originalfilms mit Orchester-Begleitung sein, die bis April 2012 durch Deutschland touren.
Auch wenn man es tunlichst vermieden hat, einen Blick auf die Filme selber zu werfen, ist einem die durchaus schmissige Musik der Piratenreihe schon begegnet. Die einprägsamen Themen der Hollywood-Komponist Hans Zimmer, Klaus Badelt und ihrem Team erfreuen sich zudem großer Beliebtheit und lassen sich leicht konsumieren. Grund genug, sie auch live aufzuführen und damit ein breites Publikum anzusprechen. [...mehr]
Für die Fans ist es nicht weniger als eine Sensation, dass Paddy Kelly demnächst wieder auf der Bühne stehen wird. Sieben Jahre lang hatte der einstige Mädchenschwarm der Band als Mönch im Kloster gelebt und keine öffentlichen Auftritte absolviert. Zusammen mit seinen Geschwistern Kathy, Patricia und Paul führt er jetzt an zwanzig Terminen eine besinnliche Weihnachtsrevue auf.
Es ist keine Reunion-Tour, das betonen die vier beteiligten Kellys mit Nachdruck, auch wenn eine solche in näherer Zukunft keineswegs grundsätzlich ausgeschlossen sei. Im Zentrum von „Stille Nacht – Eine musikalische Weihnachtsgeschichte“ soll jedoch etwas ganz anderes stehen, nämlich das christliche Fest selber. [...mehr]
Die Aufführung von Stummfilmen ist eine kostengünstige Angelegenheit, denn die Urheberrechte sind in der Regel längst abgelaufen. Beliebt ist die Begleitung durch neu komponierte Live-Musik, denn so wird die Sache zum echten Event. Dieses Konzept verfolgt auch die Volksbühne Berlin, wenn sie am 8. November einen verschollen geglaubten Film mit Pola Negri zeigt.
Nur wenige Stars der Stummfilmzeit haben die Einführung der Tonspur unbeschadet überstanden. In vielen Fällen hatte das damit zu tun, dass die arg expressive Spielweise, die das gesprochene Wort lange Zeit ersetzte, für die meisten Schauspieler nicht leicht abzulegen war und im Tonfilm schlichtweg nicht funktionierte. Gegen die gebürtige Polin Pola Negri (bürgerlich Barbara Apolonia Chalupiec) sprach allerdings ein ganz anderer Umstand. [...mehr]