Als Kunstrichtung wird der Fotorealismus gerne unterschätzt. Die Imitation der Fotografie mit Mitteln der Malerei erscheint dekorativ und wenig tiefgründig. Wie irrig diese Ansicht im Einzelfall sein kann, zeigt eine aktuelle Ausstellung im Aachener Ludwigforum, die sich mit dem American Way of Life der 70er Jahre auseinandersetzt.
Weniger die getreue Abbildung als vielmehr die Überhöhung von Wirklichkeit ist Gegenstand des Hyperrealismus. Verwandt mit der Pop Art und nicht selten von grellen Farben und Überschärfungen bestimmt, bleibt jegliche Abstraktion, aber auch eine ästhetisch angenehme Form der Darstellung außen vor. Die Detailgenauigkeit des Fotorealismus bleibt bestehen, aber wirklich angenehm anzusehen ist sie nicht. [...mehr]
Dass Kunst sich auf radikale Weise mit politischen Missständen auseinandersetzen kann, mag man in gesicherten demokratischen Verhältnissen schon mal aus den Augen verlieren. Umso mehr lohnt ein Blick auf eine Ausstellung im Leverkusener Museum Morsbroich, die sich mit aktuellen Arbeiten aus Argentinien seit den 60er Jahren beschäftigt.
Es ist noch gar nicht so lange her, dass in Buenos Aires eine Retrospektive von León Ferrari Gegenstand eines Gerichtsverfahrens wurde. Hierzulande wäre Derartiges kaum denkbar. In Argentinien hat Kunst jedoch immer noch politische Relevanz, und dass dem so ist, will die von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Ausstellung „Radical Shift“ zum Ausdruck bringen. [...mehr]
Welche Relevanz und Vielfältigkeit das künstlerische Medium der Zeichnung besitzt, zeigt eine umfangreiche Sammlung, die dem New Yorker Museum of Modern Art 2006 geschenkt wurde. Eine Auswahl daraus ist nun im Rahmen der Berliner Festspiele erstmals in Deutschland zu sehen.
Im Englischen bezeichnet der Begriff „Kompass“ nicht nur das Navigationsgerät, sondern auch das Zeichengerät des Zirkels. Diese Doppeldeutigkeit will als Ausstellungstitel auf den Akt des Zeichnens an sich verweisen und zugleich eine Idee von der weltweit verteilten künstlerischen Beschäftigung mit dem Medium vermitteln. Die Exponate stammen nämlich im Wesentlichen aus den internationalen Kunstzentren New York, Los Angeles, Berlin, London, und dem Rheinland der 60er bis 80er Jahre. [...mehr]
Einer der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart ist zwar Engländer, hat sein Schaffenszentrum aber schon in den 70ern nach Deutschland verlegt. Erstmals gibt es jetzt eine Ausstellung mit Werken von Tony Cragg aus über 40 Jahren künstlerischer Arbeit zu sehen. 1000 qm Fläche sind dafür allerdings schon nötig.
50 Skulpturen, daneben Zeichnungen und Grafiken erlauben einen imposanten Einblick in das Werk eines Künstlers, für den so ziemlich jedes Material Grundlage einer Plastik werden kann. Unter dem Einfluss der englischen Land Art begann Tony Cragg einst damit, Wandreliefs aus Abfall zu gestalten. Das Prinzip des Stapelns wurde später zum Trademark seiner Kunst. [...mehr]
Unter den deutschen Fotokünstlern ist der in Geldern geborene Thomas Struth einer der bedeutendsten und bekanntesten seiner Art. Digitale Bearbeitungen seiner Bilder sind ihm im Gegensatz zu der Mehrzahl seiner Kollegen fremd. Die Kunstsammlung NRW zeigt aktuell erstmals eine umfassende Retrospektive seiner Arbeiten von 1978 bis 2010.
Zu den bekanntesten Arbeiten von Thomas Struth gehört seine Werkgruppe zur „Architektur der Straßen“. Die behutsamen Dokumentationen städtebaulicher Entwicklung sind deshalb auch ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung im K20. Erstmals gibt es dort frühe Werke aus der Serie der Düsseldorfer Straßen zu sehen. Auch andere Arbeiten werden hier der Öffentlichkeit erstmals präsentiert. [...mehr]
Was soll an schlafenden Menschen schon so interessant sein, dass sie Thema eines ganzen Fotobandes werden könnten? Nichts, mag man sich zunächst denken. Doch die israelische Starfotografin Naomi Leshem sah das ganz anders. Heraus kam das 112-seitige Buch „Sleepers“, dessen Bilder derzeit auch im Rahmen einer schweizer Ausstellung zu sehen sind.
Keine bekannten Gesichter, keine Posen, keine Inszenierungen. Auf Naomi Leshems Fotoserie findet sich nichts außer schlafenden Menschen, ganz natürlich abfotografiert in den eigenen Schlafzimmern. Was will der Künstler damit sagen, fragt man sich nicht ganz zu Unrecht. Doch vielleicht ist es gerade der Verzicht auf alle Formen des Arrangements und Glamours, die hier den entscheidenden Unterschied machen. [...mehr]
Kunst ist nicht nur das fertige Produkt, sondern auch bereits der Schaffensprozess. So jedenfalls wollte es der amerikanische Konzeptkünstler Sol LeWitt verstanden wissen. Mitte der 60er Jahre begann er, sich mit der Idee des Künstlerbuches auseinander zu setzen. Das Art Laboratory Berlin widmet dieser Seite seines Schaffens nun eine eigene Ausstellung, die noch bis zum 13. März zu sehen ist.
Dass die Idee wichtiger sein könnte als das Werk selber, ist im Rahmen eines klassischen Kunstbegriffs undenkbar. Sol LeWitt sah das völlig anders. Die von ihm geprägte Conceptual Art nimmt eine klare Umwertung vor und rückt den Schaffensprozess selber verstärkt in den Mittelpunkt. Zeugnisse dieses Gedankens sind unter anderem seine Künstlerbücher. [...mehr]
Im Regelfall kennt man Hollywood-Schauspieler Sylvester Stallone eher mit einer Waffe als einem Pinsel in der Hand. Doch auf sein Leinwand-Image will sich der Mann, der im Kino 4 Mal Rambo und 6 Mal Rocky war, nicht reduzieren lassen. Eine Ausstellung in St. Moritz zeigt ihn jetzt tatsächlich als Maler.
Mit 64 Jahren hat man als Action-Star eigentlich ausgedient, doch Stallone wollte das Gegenteil beweisen und legte mit „The Expendables“ im vergangenen Jahr eine kassenträchtige Beweisführung vor. So kennt man ihn. Dass er sich neben der Schauspielerei aber auch noch als Maler betätigt, ist eher unbekannt. 30 Exponate vermitteln davon nun einen Eindruck. [...mehr]
Wer an Pop Art denkt, hat vor allem männliche Vertreter dieser Kunstrichtung vor Augen. Dass Frauen hier aber genauso ihre Spuren hinterlassen haben, wird gerne übersehen. Eine Ausstellung in der Kunsthalle Wien unter dem Titel „Power Up“ will eine längst fällige Umgewichtung in Gang setzen.
Die populärsten Vertreter der Pop Art sind zwar unbestritten Warhol und Lichtenstein, doch selbst so manchem Laien fällt darüber hinaus auch noch der eine oder andere Name ein. Frauen sind darunter jedoch eher keine zu finden. Einzige Ausnahme: Niki de Saint Phalle. Was aber ist mit Dorothy Iannone, Kiki Kogelnik, Rosalyn Drexler oder Evelyne Axell? Und ist ihre Annäherung an die Pop Art vielleicht eine ganz andere? [...mehr]
Nach Ende des ersten Weltkrieges war die Kunst der Weimarer Republik vor allem eines: nüchtern. Unter dem Begriff der Neuen Sachlichkeit rückten soziale Themen in den Mittelpunkt und gaben der künstlerischen Arbeit einen politischen Anstrich. Eine Auswahl von Werken dieser Epoche gibt es vom 16. Februar bis 15. Mai im Bonner Kunstmuseum zu sehen.
„Gefühl ist Privatsache“ lautet der programmatische Titel dieser Ausstellung mit rund 130 Exponaten aus dem Berliner Kupferstichkabinett, darunter Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken. Hinzu kommen 35 Leihgaben, unter denen sich vor allem Gemälde finden lassen. Die große Auswahl soll die Vielfalt einer Kunstströmung zeigen, die im Allgemeinen gerne vereinheitlicht wird und doch wesentlich heterogen ausfällt. [...mehr]