Wer glaubt, Zombies seien Erfindungen der Filmindustrie, wird im Überlebensseminar der beiden Untoten-Experten Till Rigmor und Frank Hartmann eines Besseren belehrt. Jahrelange Auseinandersetzung mit dem Thema hat sie zu Experten gemacht. Jetzt wollen sie ihr Wissen zum Überleben der Menschheit nutzen: in speziellen Zombie-Überlebens-Seminaren. Und ja, das ist natürlich reinste Comedy.
Die Invasion im Kino ist längst vorbereitet: Zombies, wohin man blickt. Doch die Popularität des Genres hat einen ernsten Hintergrund. Das meinen jedenfalls die beiden Experten hinter „Post-Mortale Lebensformen“, dem weltweit (vermutlich) ersten Anti-Zombie-Seminar. Hier lernt man endlich, wie man sich richtig gegen die nervigen Untoten zur Wehr setzt. [...mehr]
Der Bonner Theaterszene geht es nicht gerade gut, und die Diskussionen, ob die Nachbarschaft zu Köln den Betrieb eines eigenen Opernhauses noch rechtfertigt, tragen nicht gerade zur Aufmunterung bei. Mit der jährlichen Theaternacht wollen die Spielstättenbetreiber Werbung für ihre Häuser machen und Gelegenheit bieten, überall einmal kostengünstig vorbeizuschauen.
Wer auch immer für die Terminplanung der Bonner Theaternacht zuständig ist, er hat entweder geschlafen, nicht sonderlich weit über den eigenen Tellerrand geschaut oder schlichtweg Pech gehabt. Denn dass auf den 29. Mai ausgerechnet auch der Eurovision Song Contest fällt, bei dem sich ganz Deutschland im Lena-Taumel befindet, ist der Sache nicht unbedingt zuträglich. [...mehr]
Der Titel erinnert an Dante und das mit gutem Grund: „The Infernal Comedy“ spielt im Jenseits, vermutlich nicht weit vom Fegefeuer entfernt. In Hamburg war die Deutschlandpremiere des Ein-Personen-Stücks mit Barockorchester und 2 Sopranistinnen gnadenlos ausverkauft. Hauptgrund für das große Interesse: Regisseur und Darsteller John Malkovich. Vom 2. bis 6. Juni kommt der Hollywood-Star für 5 weitere Aufführungen zu den Ruhrfestspielen nach Recklinghausen.
Einen Serienkiller spielt John Malkovich nicht zum ersten Mal. 2002 hatte er in „Ripley´s Game“ bereits äußerst eindrucksvoll Patricia Highsmiths vielfach begabten Kriminellen Tom Ripley verkörpert. Diesmal ist die Vorlage allerdings real. Jack Unterweger, Hauptfigur und Erzähler der „Infernal Comedy“, hatte in den 70er Jahren wegen Mordes vor Gericht gestanden und war 16 Jahre später aufgrund seiner literarischen Arbeiten zum Liebling der Intellektuellenszene Österreichs geworden – bis er für die Ermordung von 9 weiteren Frauen erneut verurteilt wurde. [...mehr]
Ein heißes Thema oder nur wohlkalkulierte Provokation? In seinem Stück „Punk Rock“ schildert der britische Autor Simon Stephens die Vorgeschichte eines Amoklaufs von Schülern der englischen Upper Middleclass. Zu sehen gibt es den Balanceakt derzeit am Schauspielhaus Hamburg.
Das Theater muss sich heute schon sehr weit aus dem Fenster hängen, um überhaupt noch provozieren und Reaktionen hervorrufen zu können. Ein Publikum, das bereits alles gesehen hat, verlässt eher gelangweilt den Saal als sich ernsthaft aufzuregen. Im Fall von Tilman Knabes Inszenierung der Saint-Saens-Oper „Samson et Dalila“ im vergangenen Jahr in Köln schlugen die Wogen eher nur im Vorhinein hoch. Nach der Premiere war alle Aufregung hingegen schnell verpufft. [...mehr]
Hitler trifft auf Siegmund Freud und Marilyn Monroe auf Mao. Klingt absurd und ist es auch. Ein „Hysterienspiel“ nennen die Autoren ihre eigenwillige Zeitgeschichtsrevue „Helden des 20. Jahrhunderts“. Das Besondere daran: Alle auftretenden Gestalten der jüngeren Historie sind Stabpuppen. Ab dem 20. Februar gastiert das sehenswerte Bühnenspektakel nach einer Tour durch die Republik erneut in Köln.
Der globale Personenkult beginnt streng genommen erst im 20. Jahrhundert und wird mit der Erfindung der Massenmedien zum Pänomen einer neuen Epoche. Plötzlich prägen einzelne Gestalten das Denken und Empfinden jenseits nationaler Grenzen. Ikonen entstehen ohne jeglichen religiösen Bezug, und die zu Helden erkorenen Projektionsflächen erscheinen auf Postern und T-Shirts. Das, wofür sie stehen, wird zum Spielzeug eines kollektiven Bewußtseins. Es ist also nur folgerichtig, wenn die entscheidenden Figuren der letzten 100 Jahre auf der Bühne von Puppen dargestellt werden. [...mehr]
Als die weltberühmte Choreografin am 30. Juni unerwartet verstarb, sah es so aus, als würden die gemeinsamen Pläne für einen Tanzfilm, den Wim Wenders mit Pina Bausch drehen wollte, nun nicht mehr umgesetzt werden können. Mitte Oktober haben in Wuppertal die Dreharbeiten nun doch erneut begonnen. Das Bemerkenswerte an dieser Produktion: der fertige Film wird in 3D zu sehen sein.
Unter dem schlichten Titel „Pina“ soll 2010 eine ganz besondere Erinnerung an die große Choreografin in die Kinos kommen. Filmemacher Wim Wenders hatte zusammen mit Pina Bausch und dem Tanztheater Wuppertal bereits lange an dem Projekt gearbeitet, bevor Anfang des Jahres die erste Klappe fiel. Jetzt, knapp 4 Monate nach dem Tod der Künstlerin, zeichneten die (Digital-) Kameras wieder auf, zwar mit einem überarbeiteten Konzept, im Kern aber mit demselben Grundgedanken. [...mehr]
Joachim Sartorius, Intendant der Berliner Festspiele, verspricht ein „gigantisches Theaterspektakel“. Da ist sicher etwas dran, denn vom 1. bis 4. Oktober erinnert die französische Straßentheater-Compagnie „Royal de Luxe“ mit einem Live-Event an die friedliche Revolution der DDR-Bürger von 1989. Mit riesigen Puppen als Protagonisten macht die Truppe Berlin vier Tage lang zu ihrer Bühne.
Eigens zur Erinnerung an den Mauerfall vor mittlerweile zwei Jahrzehnten hat Jean Luc Courcoult, künstlerischer Leiter und Gründer von „Royal de Luxe“, mit „Le rendez-vous de Berlin – Das Wiedersehen von Berlin“ ein Open-Air-Spektakel entworfen, das wahrhaft riesige Ausmaße hat. Das Event verwandelt die Hauptstadt in eine lebendige Kulisse. [...mehr]
Mit dem Tod von Ted Kennedy ging in den Augen vieler die Ära einer Dynastie zuende. Den belgischen Theaterregisseur Luk Perceval hingegen zwang dieses Ereignis vor allem dazu, das Ende eines collagenhaften Bühnenwerkes über eine der berühmtesten Familien der politischen Gegenwart noch einmal umzuschreiben – und das wenige Tage vor der Uraufführung am Hamburger Thalia-Theater. Geschadet hat es dem Stück aber offensichtlich nicht. Die Reaktionen des Premierenpublikums fielen weitestgehend positiv aus.
Mit einem zwölfstündigen Shakespeare-Event hatte Luk Perceval Ende der 90er vom Zuschauer einiges an Sitzfleisch und Durchhaltevermögen verlangt. Nicht ganz so anstrengend ist seine aktuelle Produktion geraten, wenn sie auch durchaus den Geist der berühmten Königsdramen des englischen Dichters mit sich bringt. „The Truth about the Kennedys“ ist dem Titel gemäß selbstverständlich ein uneinlösbares Versprechen und bewußt arg hoch gegriffen. Erhellende Einblicke in die Strukturen der irischstämmigen Dynastie bietet das vierstündige Bühnenwerk jedoch allemal. [...mehr]
Massimo Furlan trägt auf seinem Trikot die Nummer 9. Er rennt über das Spielfeld, jagt zum Tor, dribbelt, hebt die Arme, schießt, schwitzt und jubelt. Und das ganze über 90 Minuten- so lange wie ein Fußballspiel mindestens halt dauert.
Soweit scheint das ganze auch Sinn zu machen. In diesem Fall fehlt allerdings etwas entscheidendes. Der Spieler bewegt sich allein auf dem Fußballfeld und auch noch ohne einen Ball. Was wie eine Parodie auf ein Fußballspiel aussieht, stellt tatsächlich eine Performance des Künstlers Massimo Furlan dar. Auf Einladung der Wiener Festwochen, die vom 09. Mai bis zum 15. Juni stattfinden, tritt der Schweizer in der Rolle des damaligen Torschützen Hans Krankl in Aktion. Er spielt die Begegnung zwischen Deutschland und Österreich zur WM 1978 in Argentinien nach.
Anhand von Videoaufzeichnungen hat er sämtliche Bewegungen des Vorbilds studiert und vollführt diese wie eine Choreographie vor dem Publikum. Sogar die Kommentare werden mit Original-Aufnahmen und denen des Sohnes von dem einstigen Kommentator zusammengeschnitten. Deutschland unterlag damals mit 2:3 und Österreich hat den Mittelstürmer Krankl wochenlang als Nationalhelden gefeiert. Sportlich anzusehen ist der Künstler dagegen eher nicht, also wird mit seiner Performance weder ästhetischen noch sportlichen Ansprüchen genügt. Doch um was geht es dann dem Italo-Schweizer Furlan bei dieser Inszenierung? Nach seiner eigenen Aussage fasziniert ihn Fußball schon seit seiner Kindheit. Bei diesem Spiel sei alles vorhanden, was auch für das Theater so bedeutend sei: “So ein Match ist etwas sehr theatralisches. Da sind eine Dramaturgie, Emotionen, Symbolik.”
Wie recht er damit hat, dürfte sich wohl auch am Montag zeigen. Dann stehen sich wieder einmal die beiden Mannschaften gegenüber. Doch dieses Mal kennen den Ausgang von Österreich vs. Deutschland wohl nur die Götter…