Wiederentdeckter Stummfilm mit Pola Negri an der Volksbühne Berlin
Die Aufführung von Stummfilmen ist eine kostengünstige Angelegenheit, denn die Urheberrechte sind in der Regel längst abgelaufen. Beliebt ist die Begleitung durch neu komponierte Live-Musik, denn so wird die Sache zum echten Event. Dieses Konzept verfolgt auch die Volksbühne Berlin, wenn sie am 8. November einen verschollen geglaubten Film mit Pola Negri zeigt.
Nur wenige Stars der Stummfilmzeit haben die Einführung der Tonspur unbeschadet überstanden. In vielen Fällen hatte das damit zu tun, dass die arg expressive Spielweise, die das gesprochene Wort lange Zeit ersetzte, für die meisten Schauspieler nicht leicht abzulegen war und im Tonfilm schlichtweg nicht funktionierte. Gegen die gebürtige Polin Pola Negri (bürgerlich Barbara Apolonia Chalupiec) sprach allerdings ein ganz anderer Umstand.
Nachdem sie zusammen mit Ernst Lubitsch und dem gemeinsamen Film „Madame Dubarry“ praktisch von Hollywood eingekauft worden war und im Anschluss den einen oder anderen Kassenerfolg verbuchen konnte, sank ihr Stern relativ bald wieder, und das nicht zuletzt ihres starken osteuropäischen Akzents wegen.
Einer ihrer früheren, kurz vor der Begegnung mit Lubitsch entstandenen und lange als verschollen gegoltenen Filme wurde vor einer Weile in Warschau wiederentdeckt und von der Filmoteka Narodowa aufwendig restauriert. Dank einer Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek erlebt „Mania – Die Geschichte einer Zigarettenarbeiterin“ jetzt auf den Tag genau 93 Jahre nach der Premiere eine Wiederaufführung mit neuer Musik des polnischen Dirigenten Jerzy Maksymiuk.
Die Volksbühne Berlin zeigt die digital restaurierte Fassung mit Live-Begleitung durch das Leopoldinum Kammerorchester Wroclaw am 8. November 2011 um 19.30 Uhr im Großen Haus am Rosa-Luxemburg-Platz. Weitere Aufführungen gibt es danach in Paris, Madrid, London und Kiew.
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Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin-Mitte
Karten:
regulär 14, ermäßigt 10 Euro
unsinn, pola negri ging in die vereinigten staaten und ihr stern stieg höher und höher. was sollte auch ihr polnischer akzent in stummfilmen für hindernis gewesen sein?
Keineswegs Unsinn. Richtig ist: Zwischen 1923 und 1928, gerade einmal 5 Jahre, drehte Negri für Paramount ausschließlich Stummfilme. Ihr Vertrag wurde danach allerdings nicht mehr erneuert, weil sie bei Tests für den aufkommenden Tonfilm aufgrund ihres Akzents durchgefallen war. 1932 drehte sie für RKO noch den Tonfilm “A Woman Commands”, danach war die USA als Markt für sie erledingt. Erst 1943 kehrte sie für einen einzigen Film (”Hi Diddle Diddle”) noch einmal zurück.


